Flug 5.1: Einführung in die Sichtnavigation

Der Flug

Thema

  • Basisnavigation nach Sichtreferenzen

Demonstrationen

  • Orientierung in einfachem Gelände
  • Koppelnavigation unter Einbezug von markanten Geländemerkmalen und Auffanglinien

Übungen

  • Arbeiten mit dem Navigationsflugplan (NFP) und Basisfaktor

Ziele

  1. Wegflug bis 1. Navigations-Checkpunkt selbstständig
  2. Rückflug ab letztem Navigations-Checkpunkt selbstständig und situationsangepasst
  3. Stabilisierter Landeanflug mit ausgeflogener Landung innerhalb des zulässigen Bereichs

Vorbereitung: Online

Nun ist es an der Zeit, die Fühler auszustrecken und erste Navigationsflüge zu machen. Bevor du deinen ersten Rundflug mithilfe der ICAO-Luftfahrtkarte, dem Plotter und dem Navigation Flight Plan planst, ist es sinnvoll, das Kapitel 18 aus dem GuV-Ordner und dem SPHAIR-Lernprogramm durchzuarbeiten. Erstell dir dabei auch gleich einen 6-Minuten-Massstab für eine Geschwindigkeit von 90 Knoten, die Reisegeschwindigkeit der Cessna 152. Wie das geht, ist in Kapitel 18.2.5 erklärt. Mach dir beim Durcharbeiten des GuVs nicht zu viele Gedanken über das Winddreieck, lies die Informationen einfach durch.

Planung des Navigationsfluges

Die folgenden Abschnitte führen dich durch die Planung deines ersten Navigationsfluges. Du brauchst dazu:

  • ICAO-Luftfahrtkarte, Massstab 1:500’000
  • Plotter
  • Navigation Flight Plan in Papierform oder als Excel-File
  • Ein Bleistift (ganz klassisch, möglichst ungespitzt)

Für diesen ersten Flug bereitest du drei Routen vor und wir wählen dann gemeinsam – unter Berücksichtigung des Wetters – eine davon aus:

  • Variante A: Zugersee – Sursee – Luzern – Goldau
  • Variante B: Altdorf – Klausenpass – Glarus
  • Variante C: Rickenpass – Buchs SG – Sargans – Niederurnen

Die Variante A kannst du Schritt für Schritt im E-Learning machen und für die anderen Varianten findest du weiter unten die ausgefüllten NFPs zum Vergleichen.

Einzeichnen der Route

Als erstes zeichnest du mit dem Bleistift auf der Karte die Route ein. Mach dafür jeweils richtig dicke Striche, sonst wirst du im Flug die Route auf der Karte nicht sehen. Die Waypoints sind:

  • LSPV
  • Seedamm
  • Richterswil
  • Zug
  • Hitzkirch
  • Sursee (am nordwestlichen Ende des Sempachersees)
  • Luzern
  • Küssnacht
  • Goldau
  • Pfäffikon
  • Sector South
  • LSPV

Deine Karte sollte nun ungefähr so aussehen (Ja: So dick sollten die Striche sein!):

Variante A ICAO-Karte

Waypoints

Übertrage diese Waypoints auf den NFP:

Waypoints Variante A

Ausmessen der Steuerkurse

Nun möchten wir die jeweiligen Kurse (Magnetic Course / MC) von einem Waypoint zum nächsten aus der Karte herausmessen. Zum ersten Punkt, dem Seedamm, fliegen wir nach der Sichtanflugkarte (Visual Approach Chart / VAC) von LSPV und tragen deshalb statt dem Kurs die Abkürzung “VAC” in das Feld “MC” ein:Variante A VAC

Nun kommt der Plotter in’s Spiel. Im Beispiel messen wir zunächst den Kurs von Richterswil nach Zug, da das erste Leg nach Richterswil etwas kurz ist und sich für die Demonstration deshalb nicht eignet:

  • Lege eine der Linien des Plotters auf deine gewünschte Kurslinie (im Bild unten hellblau gekennzeichnet)
  • Rotiere die Drehscheibe, bis sie parallel zu einer Längengradlinie (grün gestrichelt) liegt. Achte dabei darauf, dass die Pfeile nach Norden zeigen! (gelb)
  • Der Kurs von Richterswil nach Zug lässt sich nun ablesen und beträgt 253° (mit einem roten Kreis markiert)
  • Diesen Kurs rundet man auf den nächsten Fünfer auf: 255°. Man stellt damit sicher, dass man eher rechts an seinem Waypoint vorbeifliegt. Weil man im Flugzeug links sitzt, sieht man ihn dadurch besser.

Kursmessung

Dein NFP sollte nun so aussehen:

Variante A Courses

Messen der Distanzen und der EETs

Als nächstes kannst du, ebenfalls mit dem Plotter, die Distanzen von Waypoint zu Waypoint messen. Achte dabei darauf, dass du den richtigen Massstab (1:500’000) verwendest! Die Distanzen kannst du in die Spalte “DIST” eintragen:

Variante A Distanzen

Wie du vielleicht gemerkt hast, rechnet das Excel-File die Estimated Elapsed Times (EET) für alle Legs aus. Es ist dafür aber extrem wichtig, dass du die True Airspeed (TAS) oben im Formular richtig angibst. Alternativ kannst du die EETs auch mit dem 6-Minuten-Massstab messen und in den NFP eintragen. Beim ersten und letzten Leg werden je 5 Minuten hinzugerechnet, um der für den Ab- oder Anflug verwendeten zusätzlichen Flugzeit Rechnung zu tragen.

Definieren der Flughöhe

Als nächstes muss man sich überlegen, auf welcher Höhe man fliegen möchte. Dabei sind folgende Punkte – in dieser Reihenfolge – zu beachten:

  1. Geländehöhe
  2. Lufträume
  3. Halbkreisregel

Für diesen Flug bieten sich bis nach Sursee 4’500 ft an, danach macht es gemäss Gelände und Halbkreisregel Sinn, auf 5’500 ft zu steigen. In Pfäffikon möchte man für den Anflug auf 4’500 ft sein, im Sector South 3’500 ft und beim Waypoint LSPV macht es Sinn, die Platzrundenhöhe (2’500 ft) einzutragen:

Variante A Altitudes

Frequenzen eintragen

Als nächstes überlegt man sich, welche Funkfrequenzen man während dem Flug braucht. Wir starten in Wangen-Lachen, wo wir die dir bereits bekannte Aerodrome-Frequenz brauchen: Wangen AD 123.20 MHz. Von Zug nach Hitzkirch und von Sursee nach Luzern bzw. Goldau fliegen wir durch den Luftraum von Emmen (Emmen TMA 1, CTR 1 und CTR 2). Um herauszufinden, ob diese Lufträume aktiv sind, hört man die Informationsfrequenz EMMEN INFO 134.125 MHz ab. Darauf gibt ein Tonband über den Luftraumstatus von Emmen, Buochs und Alpnach Bescheid. Falls die Lufträume von Emmen aktiv sind, muss man für den Durchflug (das “Crossing”) EMMEN TWR auf 120.425 aufrufen. Diese Frequenzen findest du auf der Karte an folgenden Stellen:

Karte Frequenzen

Dein NFP sollte also nun so aussehen:

Variante A Frequenzen

Remarks

Als nächstes widmet man sich der Spalte “REMARKS”. Sie bietet dir Platz für jegliche Bemerkungen, die du zur Ausführung des Fluges aufschreiben möchtest. Hier wird zum Beispiel auch der Durchflug eines Luftraumes, das Crossing (X-ing) angegeben. Du kannst aber auch Geländemerkmale notieren oder dir eine Erinnerung aufschreiben, dass du an einem gewissen Waypoint zum Beispiel einen Check oder ähnliches machen solltest.

Variante A Remarks

Alternate

Jetzt fehlt nur noch der Alternate, welcher auf dem unteren Teil des NFP Platz findet. Plane den Weg zum Alternate jeweils genau so detailliert, wie deine geplante Route. Einfach nur einen Strich vom Zielflugplatz zum Alternate zu ziehen und ein Heading herauszumessen nützt dir im Ernstfall wenig bis gar nichts. Für den geplanten Flug wählen wir Mollis als Alternate:

  • LSPV
  • Schmerikon
  • Sector North
  • LSMF

Infos zum Flugplatz Mollis findest du auf http://www.flugplatz-mollis.ch unter “AD Info”. Im VFR-Manual ist Mollis nicht aufgeführt, da der Flugplatz “restricted” ist, man also eine Spezialerlaubnis braucht. Als Alternate ab Wangen darf er aber verwendet werden. Dein vollständiger NFP sollte nun so aussehen:

nfp_vollstaendig

Mach nun die Vorbereitung für die Varianten B und C ebenfalls. Wir werden eine der Varianten zusammen fliegen und eine andere Variante wirst du bei deinem ersten Solo-Navigationsflug in Stufe 7 verwenden.

Variante B:

  • LSPV
  • Seedamm
  • Richterswil
  • Sattel
  • Altdorf
  • Klausenpass
  • Linthal
  • Glarus
  • Niederurnen
  • Reichenburg
  • Sector South
  • LSPV

Variante C:

  • LSPV
  • Schmerikon
  • Rickenpass
  • Wildhaus
  • Buchs
  • Sargans
  • Walenstadt
  • Niederurnen
  • Reichenburg
  • Sector South
  • LSPV

Variante B:

NFP Variante B

Variante C

NFP Variante C

Navigation mit dem NFP und der ICAO-Karte

Der NFP und die ICAO-Karte bilden die Grundlage für die Navigation. Während dem Flug sollen beide jederzeit ablesbar sein: Der NFP ist zuoberst auf dem Kniebrett und die Karte – so klein wie möglich gefaltet – liegt auf dem gegenüberliegenden Oberschenkel. Für ein allenfalls notwendiges detailliertes Kartenstudium kann die Karte auch hochgehalten werden. Nun arbeitet man den NFP Linie für Linie ab. Jede Linie gilt für das Leg zum darauf festgehaltenen Waypoint. Sobald dieser erreicht ist, rutscht man eine Linie nach unten und fliegt den nächsten Wegpunkt an.

Das Waypoint-Briefing

Zirka zwei Minuten vor dem Erreichen eines Waypoints bereitet man sich auf dessen Überflug vor. Dabei geht man nach folgendem Schema vor:

  1. “Wir erreichen demnächst den Waypoint X”
  2. “Danach geht es weiter zum Waypoint Y mit dem Heading YYY”
  3. “Das bedeutet, wir machen eine Links-/Rechtskurve und fliegen danach den Fernrichtpunkt Z an.”

Bei der Definition des nächsten Fernrichtpunktes hilft der Vergleich mit dem Directional Gyro, so dass man die ungefähre Richtung abschätzen kann.

Der Waypoint-Überflug

Über dem aktuellen Waypoint angekommen, führt man das 5T-Verfahren durch:

  1. Time
  2. Turn
  3. Twist
  4. Tabulate
  5. Talk

Die genauen Punkte sind im GuV und im SPHAIR-Lernprogramm im Kapitel 18.5.5 beschrieben und folgendermassen definiert:

Waypoint Überflug

Wichtig ist dabei, dass man bei “Time” die Zeit wirklich nur abliest (und allenfalls die Stoppuhr startet). Danach hat das Eindrehen auf den neuen Steuerkurs Priorität, da man ja möglichst bald auf den neuen Waypoint zufliegen möchte.

Bei jedem Navigationsflug – und überhaupt auf jedem Flug – lohnt es sich, die folgende Aussage im Hinterkopf zu behalten:

“Don’t let your aircraft occupy space where your brain has not already been”

Es ist enorm wichtig, dem Flugzeug jederzeit “etwas voraus” zu sein. Bei den ersten Flügen wird dir dies sehr schwer fallen, aber du wirst diesbezüglich schon bald Fortschritte feststellen.

Bestellen des “Alpenmanuals” und des “Leitfadens Radionavigation”

Nach den ersten zwei Navigationsflügen (Flüge 5.1 und 5.2) steht bereits der erste Gebirgsflug vor der Tür. Um dich dafür vorzubereiten und etwas einlesen zu können, brauchst du das Alpenmanual, welches das Fliegen im Gebirge beschreibt und viele nützliche Informationen liefert. Dieses kannst du hier bestellen und dabei gleich auch den “praktischen Leitfaden Radionavigation” hinzufügen, welchen wir in den Stufen 8 & 9 brauchen werden.


Vorbereitung: GuV / Lernprogramm SPHAIR

  • Kapitel 18.2.3: Orientierung, Richtung, Kurs
  • Kapitel 18.2.4 & 18.2.5: Kursangaben; Weg, Zeit
  • Kapitel 18.3: Navigationsverfahren
  • Kapitel 18.4: Vorbereitung für Navigationsflüge
  • Kapitel 18.5: Verfahren im Reiseflug
  • Kapitel 13.5 bis 13.7: Endanflug / Final
  • Theorie: Fach Navigation

Simulationen

  • Navigation Flight Plan
  • Kurskreisel
  • Mixture Setting

Flugprogramm

  • D: METAR / TAF
  • A: Wind Barbs Alpen
  • M: SIGWX Low Alpen
  • D: Cruise Check
  • D: Kartennavigation
  • D: Descent Check
  • Ü: Anflug Wangen

Skizze

5T

  1. TIME
  2. TURN
  3. TWIST
  4. TABULATE
  5. TALK

Fragen

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